Evan Freyer - Singer-Songwriter / Pop-Rock aus Wuppertal, Nerd
Evan Freyer

Die Mär vom Rockstar

Sodele, da ist sie auch schon vorbei, die kleine Nord-Sektion meiner Deutschlandtour. Und nun, einen Tag später versuche ich mich mal an einem Resümee. Eines vorweg: Im Gegensatz zum letzten Jahr war ich dieses Mal alleine unterwegs, was das gesamte Unterfangen wesentlich ruhiger machte. Aber da hatte ja auch noch ein anderer Aspekt seine Finger im Spiel:

Angefangen hat es eigentlich am Freitag vor der Tour (Sie startete am Dienstag). Da bekomme ich doch tatsächlich Fieber, Husten und Magenschmerzen. Was für enorm tolle Grundvoraussetzungen. Da es am Dienstag tatsächlich etwas besser wurde, beschloss ich, die Reise dennoch anzutreten. Dass sich mein Körper bis heute noch nicht erholt hat, beweist, dass es keine 100%ig gute Idee war. Aber Absagen gilt nicht.

Bevor ich zum zynischen Teil des Tourblogs übergehen will, möchte ich kurz das positive durchleuchten: Prinz Willy war mal wieder nett und die Hostel-Besetzung war eine enorm freundliche Überraschung. So eine zufällig zusammengewürfelte Menschenansammlung, die sich auf Anhieb gut versteht – und zu 50% auch noch aus den selben Gründen in Kiel ist – habe ich selten erlebt. Sehr schön. Das Rüssel in Bremerhaven hat gerockt! Für die geringe Zuschaueranzahl war die Stimmung superb. Chewbacca ftw! Und Julius vom f+k war mal wieder die Freundlichkeit in Person. Danke an alle Leute, die zu den Konzerten gekommen sind! Hauke, Jan, David, Kai, Christopher, Stefan und Eileen: Es war schön, Euch (wieder-)zu( )sehen! Hah! Was für eine komische Klammersetzung.

Kommen wir nun mal zum zynischen und titelgebenden Teil.

Das klischeehafte Rockstarleben gibt es nicht! Ich will es auch gar nicht haben, darauf habe ich es ja gar nicht angelegt. Aber dennoch sollte man das mal festhalten: Wer Musik auf meinem Level macht, muss viel über sich ergehen lassen. Das fängt beim Publikum an: Nicht nur, dass das Interesse an Live-Musik bei Bands, dessen Tickets unter 80 Euro kosten (Von freiem Eintritt will ich gar nicht erst anfangen), auf dem Nullpunkt rangiert. Nein, auch wenn die Leute dann tatsächlich erscheinen, ist nur ein geringer Teil der Menschen für die Musik da.

Da steht jemand auf der Bühne und spielt für die Leute, aber Live-Musik wird mittlerweile scheinbar auf einer ähnlichen Ebene wahrgenommen, wie Musik aus der Dose. Wenigstens Applaudieren sollte man doch.

Applaus ist das Brot des Künstlers, sagt man. Ein Glück, dass ich vorher noch gegessen habe.

Wer jetzt sagt „Kein Wunder, hast du dich mal gehört?“, dem kann ich entgegenschallen: „Na und?“ - Wer keine Live-Musik hören will, soll nicht zu einem Konzert gehen. Aber in einer YouTube-Gesellschaft (FAKE!!!!1111einseinselfelf) kann man wohl nichts anderes erwarten. Selbst eine mordsmäßig gute Band wie „Anstatt Blumen“ aus Mannheim (was für ein tolles Konzert!) hat damit Probleme, dass gelabert wird, bis zum Umfallen, während auf der Bühne das Herz ausgeschüttet wird. Wer sich tatsächlich über Windows vs Mac OS, Guido vs Angie, Pink vs Schwarz, Pünktchen vs Streifen oder über Tagesschau vs Heute unterhalten möchte, der möge dies doch bitte nicht während eines Konzerts tun. Arg! Leute, ehrlich! Man geht doch auch nicht mit einer Pizza ins Theater (oder doch?).

Aber da das Konzert ja keinen Eintritt gekostet hat, kann es ja nichts wert sein.

Und dann das Finanzielle: Nur mit Glück und harter Arbeit (ich habe im MBC drei Sets à eine Stunde vor durchschnittlich drei Leuten gespielt!) konnte ich mein finanzielles Ziel erreichen. Was heißen soll: +/- 0 – Ja, die Mär vom tourenden Künstler, der sich damit die CD-Produktion verdient, sie gilt für 5% der Musiker, die regelmäßig CDs veröffentlichen.

Also hier noch mal die meist gestellten Fragen der Tour:

  • Kann man damit Geld verdienen?
    Nein! Man zahlt meist drauf und zwar mächtig.

  • Machst du das hauptberuflich?
    s.o.

  • Warum machst du das denn dann?
    Weil es meistens Spaß macht. Konzerte wie im Rüssel lassen hoffen.

  • Und du machst das alles selbst?
    Ja, auch wenn es stressig ist.

  • Warum eigentlich Chewbacca?
    Warum nicht?

  • Aha…und warum Guido Westerwelle?
    Weil es geil ist, in fünfzehn Gesichter zu sehen, die absolut geschockt sind und danach mit freudiger Stimme „Wenn Guido Westerwelle Bundeskanzler wär…“ singen. Herrlich.


Und mit diesen Antworten beschließe ich diesen Eintrag. Nicht aber, ohne noch mal zu sagen, dass es Spaß gemacht hat.