Evan Freyer - Singer-Songwriter / Pop-Rock aus Wuppertal, Nerd
Evan Freyer

Was übrig bleibt von: „Scheiß auf das System!“

Es ist ein allseits beliebtes Spiel. Alle rufen den DSDS-, Popstars- und Big Brother-Siegen mit Schallmaien entgegen: „VERPISST EUCH!“ - Und doch rangieren die CDs meist in den vorderen Chartplätzen. Und die Touren sind dann meistens auch gut besucht. Zugegeben, aktuelle Begebenheiten eines MM will ich hier mal unter den Tisch fallen lassen.

Es immer herrlich zu sehen, wie die Welt sich im „Scheiß auf den Kommerz“-System zusammenrauft und sich vereint fühlt. Aber was bleibt davon übrig?

Nichts.

Denn seien wir mal ehrlich. Das Interesse an der Musik ist gering. Was nicht auf WDR2 (hier im Westen) oder auf ähnlich großen Radiosendern gespielt wird, wird einfach nicht wahrgenommen. Und wieso? Weil es sie einfach nicht interessiert.

Da geben die Menschen 80 Euro für U2-Tickets aus (Ich mag U2!) und lassen lokale Künstler links liegen. Oder was heißt hier lokal? Wenn Musiker/Künstler aus der gesamten Republik kommen, ist der Andrang auch nicht größer. Und die Eintritt-Sache ist dabei doch sehr tricky. Wenn man meint, mit freiem Eintritt mehr Interesse zu generieren, dann klappt das nur bedingt. Zu sehr ist das „Was nix kostet, ist auch nix“-Denken verankert. Alles über drei Euro ist dann aber auch zu viel für etwas, was man „ja nicht kennt“.

Und jetzt gibt es Musiker wie Alex Amsterdam, Adrian Pauly, Nadine Beneke, Thoai-Hong Thu, Action Jackson oder Mario Siegesmund. Die spielen sich den Arsch ab, für freien oder geringen Eintritt und dennoch scheint das Interesse hier stellenweise zu stagnieren. Da wird dann alles selbst gemacht – Aufnahmen, Organisation, Touren – und dennoch scheint sich hier kaum jemand zu interessieren. Und damit meine ich nicht mal die Konzertbesucher, sondern auch die (k)lokale Presse. Bis auf wenige Ausnahmen werden solche Künstler überhaupt nicht wahrgenommen. Da wird über die aktuell abgesagte Tour des neuesten DSDS-Püppchens geschrieben, die durchgezogene Tour des Alex Amsterdams bleibt eine Randnotiz.

Interessanterweise sind es vor allem die lokalen Redaktionen die einen ach-so-großen Wert auf individuelle Artikel legen und dann doch nicht wissen, was vor ihrer Haustür abgeht. Da lobe ich mir doch einen Michael Wenzel, der es versteht, lokale Musiker zu orten und sie auch ein wenig zu präsentieren.

Aber um die eingangs erwähnte Theorie noch zu Ende zu bringen: Was übrig bleibt von der Punk-Attitüde ist lediglich ein Furz. Bis auf Punk-Musik. Die erfreut sich irgendwie immer großer Beliebtheit. Aber wieso? Das werde ich nie verstehen.